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Stell Dir vor Du machst Dich selbstständig und hasst plötzlich Deinen Job.

  • Autorenbild: Julia
    Julia
  • 7. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Genau das habe ich gefühlt, als ich in der Gastronomie angefangen habe. Angie hatte mich vorher gewarnt, das muss ich ihr lassen. „Bist du dir ganz sicher, dass du diesen Gastro-Job wirklich willst? Das ist ein Knochenjob.“


Ich dachte mir: Viel arbeiten? Kein Problem. Verantwortung? Kenne ich. Stress? Auch.

Ich habe immer viel gearbeitet und meistens sogar gerne. Also wie schlimm kann es schon werden?


Was dann kam, war nicht einfach anstrengend oder herausfordernd, sondern ehrlich gesagt die Hölle.


Ich hatte keinerlei Erfahrung, keine Routine und vor allem eines nicht: einen Plan. Gleichzeitig wurden wir in dieser Phase regelrecht von Bestellungen überrollt. Und jeden einzelnen Tag habe ich in Angies Blick gesehen, wie sehr sie das fertiggemacht hat, mir bei der Arbeit zuzuschauen. Ich war zu langsam, zu unstrukturiert und in dieser Situation alles andere als eine Hilfe. Im Gegenteil – ich war eine zusätzliche Belastung.


Wenn Arbeit nicht nur hart ist, sondern persönlich weh tut


Dass die Küche körperlich anstrengend ist, war schnell klar. Womit ich nicht gerechnet hatte, war der Ton. Die Gastronomie ist laut, direkt und gnadenlos ehrlich. Das ist kein Umfeld, in dem Dinge weich formuliert oder Rücksicht auf Gefühle genommen wird. Dieser Ton ist verletzend. Und er trifft noch härter, wenn er von der eigenen Partnerin kommt.


Ich habe in dieser Zeit alles persönlich genommen. Jeden Satz, jede Korrektur, jeden genervten Blick. Ich habe mich klein, unfähig und fehl am Platz gefühlt und viel zu lange gebraucht, um zu verstehen, was eigentlich passiert ist: Angie war in der Küche nicht meine Partnerin, sie war meine Chefin.


Diese Erkenntnis klingt banal. Für mich hat sie Monate gedauert.


Vom Konzern ins Chaos – wenn dein Selbstbild zerbricht


Ich kam aus einer komplett anderen Arbeitswelt. Konzern, klare Rollen, Verantwortung, Struktur, Anerkennung. Und plötzlich stehst du in einer Küche und kannst nicht einmal mithalten.


Du bist langsam. Du bist unsicher. Du stehst im Weg.


Ich weiß noch, wie oft ich gedacht habe, dass so niemand mit mir sprechen würde, wenn ich nicht genau hier stehen würde. In der Küche zählt nicht, was du vorher gemacht hast oder wie viel Erfahrung du in anderen Bereichen hast. Es zählt nur, was du in diesem Moment leistest. Und ich habe nicht geliefert.


Was diese Situation mental mit dir macht


Diese Phase war nicht nur anstrengend, sie hat mir Stück für Stück mein Selbstbewusstsein genommen. Ich wurde korrigiert, angezählt und immer wieder auf die gleichen Fehler hingewiesen. Inhaltlich war das oft berechtigt, emotional war es schwer auszuhalten.


Ich habe angefangen, mich ernsthaft zu fragen, was ich eigentlich kann, warum ich mir das antue und ob ich vielleicht einfach nicht dafür gemacht bin. Das waren keine flüchtigen Gedanken, sondern ein Zustand, der mich über Wochen begleitet hat.


Der Wendepunkt kam nicht durch besser werden, sondern durch Umdenken


Irgendwann wurde klar, dass ich in der Küche keine Top-Performerin werde. Und der entscheidende Schritt war nicht, mich weiter zu quälen, sondern meine Rolle neu zu definieren.


Ich habe angefangen, die Aufgaben zu übernehmen, in denen ich wirklich stark bin: Kundenakquise, Organisation und, Kommunikation. Und trotzdem stand ich oft noch in der Küche und hatte das Gefühl, nichts richtig beizutragen.


Was mir am Ende geholfen hat, war die Erkenntnis, dass ich nicht alles können muss, aber Verantwortung für das Gesamtbild übernehmen darf – und auch muss.


Gründen als Paar heißt, Konflikte nicht zu vermeiden


Gründen als Paar ist nicht romantisch. Es bedeutet Streit, Missverständnisse, verletzte Gefühle und immer wieder neue Rollenkonflikte. Und trotzdem entscheidet man sich jeden Tag erneut, gemeinsam weiterzumachen.


Wir mussten lernen, Beziehung und Business zumindest gedanklich zu trennen. Nicht immer sauber und nicht immer fair, aber bewusst. Heute können wir in stressigen Momenten manchmal sogar darüber lachen, weil wir wissen, dass es nicht persönlich gemeint ist, auch wenn es sich genau so anfühlt, wenn wir uns in der Küche anschreien.


Was ich aus dieser Zeit gelernt habe


Du darfst Dinge hassen, die du für dein Ziel tun musst. Selbstständigkeit bedeutet nicht, von Anfang an in den eigenen Stärken zu arbeiten. Besonders nicht, wenn man gemeinsam gründet.


Der Ton in der Gastronomie ist hart und wenn du sensibel bist, wird er dich treffen. Gründen als Paar funktioniert nur dann, wenn Rollen immer wieder neu geklärt werden. Und Durchhalten heißt nicht, alles gut zu finden, sondern zu wissen, warum man es trotzdem macht.


Warum ich es trotzdem wieder tun würde


Weil wir heute dort stehen, wo wir damals hinwollten. Nicht, weil der Weg leicht war, sondern weil wir ihn ausgehalten haben.


Man darf zweifeln, überfordert sein und Dinge hassen. Wenn man aber eine gemeinsame Vision hat, macht man manchmal Scheißjobs, um sie irgendwann nicht mehr machen zu.


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