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Das erste TikTok, das viral ging – und was danach kam

  • Autorenbild: Julia
    Julia
  • 26. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Wir hatten schon einige TikToks auf unserem veganen Foodtruck-Kanal gepostet. Mal mehr, mal weniger Reichweite. Alles fein.

Und dann kam dieser eine Post.


Zwei Frauen.

Job gekündigt.

Zusammen 250.000 Euro Jahresgehalt.

Alle sagen: Ein veganer Foodtruck funktioniert nicht.

Und jetzt: die längste Schlange.


Mehr nicht.


Was danach passierte, war im ersten Moment vor allem eins: komisch. Nicht cool. Nicht euphorisch. Eher so ein „okay, was passiert hier gerade?“-Gefühl.


Kommentare kamen im Sekundentakt. Viele negativ. Einige deutlich unter der Gürtellinie. Manche subtil sexistisch.

Nach den ersten zehn ähnlichen Kommentaren war klar: Hier geht es nicht um Diskussion. Hier geht es um Trigger.


Trigger Nr. 1: Vegan

Der mit Abstand größte Block.

Vegan als Witz. Vegan als Beleidigung. Vegan als persönlicher Angriff auf eine Lebensentscheidung.

Das Niveau? Teilweise beeindruckend niedrig.

Es ging selten um Essen. Noch seltener um Geschmack. Meistens um Abwertung.

Unsere Erkenntnis: Vegan triggert nicht, weil es jemandem schadet. Sondern weil es existiert.


Trigger Nr. 2: „Längste Schlange“

Hier wurde es kreativ.


„War wohl der einzige Stand.“

„Was habt ihr den Leuten gezahlt?“

„Die haben sich bestimmt aus Versehen angestellt.“


Faszinierend eigentlich: Statt zu denken „Okay, scheint zu laufen“, wurde lieber jede noch so absurde Erklärung gesucht – Hauptsache, sie bestätigt das eigene Weltbild. Erfolg darf anscheinend existieren. Nur bitte nicht bei anderen.


Trigger Nr. 3: Frauen im Business

Dass zwei Frauen zusammen 250.000 Euro im Jahr in ihrem Job verdient haben, scheint für manche komplett außerhalb der Vorstellungskraft zu liegen.


„Wahrscheinlich eher 25k.“


Interessant war weniger der Zweifel an der Zahl – sondern wer ihn hatte. Es ging nicht darum, wie wir gearbeitet haben. Nicht darum, was wir können. Sondern darum, dass diese Zahl offenbar nicht zu zwei Frauen passt.


Keine echte Nachfrage. Keine Neugier. Sondern dieses unterschwellige: Das kann so nicht stimmen.

Und dann diese Kommentare, die man schwer greifen kann, aber sofort fühlt: Anspielungen. Abwertungen. Dieses leicht Herablassende, das nicht offen angreift – aber sehr klar einordnet. Subtil, aber eindeutig.

Frauen können vieles sein – solange sie dabei nicht zu sehr nach Erfolg aussehen.


Was hängen bleibt

Von allem, was reinkam, haben wir nur politische Kommentare gelöscht. Alles andere blieb stehen – positive wie negative.

Denn überraschend war nicht die Kritik allein, sondern die Mischung:

– viele Unterstützerinnen, die sich wiedererkannt haben

– Likes und Kommentare voller Zuspruch

– ehrliche Anerkennung

– und eben diese Trigger, die zeigen, wie ungewohnt es für manche noch ist, Frauen als unternehmerisch erfolgreich wahrzunehmen - und das noch VEGAN


Viele der negativen Kommentare hatten einen ähnlichen Ton. Und erstaunlich oft denselben Absender.


Es war ein erster, sehr ehrlicher Einblick in das, was passiert, wenn man sichtbar wird – mit einer Entscheidung, die nicht allen gefällt. Und wir wissen jetzt schon: Davon werden noch einige dazukommen.

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